Sonntag, 9. Oktober 2011
Europa der Vaterländer? Die Familie der Singles...
antoniy dimitrov, 04:18h
In letzter Zeit melden sich die Gegner der europäischen Integration mit dem Slogan "Europa der Vaterländer" zu Worte. Manchen wird diese Forderung harmlos erscheinen. Andere könnten sogar denken, es ginge dabei um eine gewissermaßen pro-europäische Haltung - schließlich steht der Name unseres Kontinents an erster Stelle in dieser Wortfügung. Wie leicht der Schein trügt!
Ein Europa der Vaterländer, das ist ja eine Familie der Singles, ein Rudel der Einzelgänger-Wölfe. Wer glaubt, dass die europäische Vereinigung durch Stärkung der Abgrenzung einzelner Länder und Nationen erfolgen kann? Ganz bestimmt nicht die Vertreter des politischen Europa-der-Vaterländerismus. Diesen Menschen ist wohl am ehesten klar, was sie fordern, ihnen Unkenntnis der Geschichte zu unterstellen, wäre eine maßlose Unterschätzung des Gefahrenpotenzials dieser Richtung.
Die Europäer haben es nach einer sehr langen Zeit geschafft, sich zu vereinen, mit dem Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses zu beginnen, und sind allen Schwierigkeiten zum Trotz ein gutes Stück vorangekommen. Den Europäern ist bewusst geworden, dass sie nur gemeinsam stark und frei sein können, dass die Schranken der Nationalstaaterei die weitere Entfaltung der europäischen Gesellschaft verhinderten.
Eine starke und freie Gemeinschaft aller Europäer ist vielen ein Dorn im Auge. Schon im Grundstudium der VWL lernt man, dass Monopole in großen Volkswirtschaften es viel schwierigen haben als in kleinen. Im politischen Leben gilt die ökonomische Maxime sogar noch viel stärker - keine einzige Partei aus einem Mitgliedsstaat hätte die Chance, innerhalb der ganzen Europäischen Union die gleiche Bedeutung zu gewinnen, wie dies im Heimatland der Fall ist.
Die Angst einiger Politiker vor Machtverlust aufgrund des Zusammenwachsens der europäischen Länder zu einem großen Ganzen ist nachvollziehbar. Deren Egoismus aber und die daraus resultierenden Bestrebungen, dieses Zusammenwachsen zu verlangsamen, zu stoppen oder gar umzukehren, können und dürfen nicht entschuldigt werden. Es darf kein Zweifel daran bestehen, dass die Rufe nach einem Europa der Vaterländer vor zweihundert Jahren die Form "Deutschland der Einzelstaaten" angenommen hätten. Den Politikern dieser Zeit gelang es auf Dauer nicht, die Kleinstaaterei in Deutschland gegen den Willen der Menschen aufrechtzuerhalten. Umso erstaunlicher ist es, wenn gerade in Deutschland einige Politiker aus der Geschichte nichts gelernt zu haben scheinen.
Europa der Vaterländer gehört ins 19. Jahrhundert. Dieses Europa hat sein blutiges Ende im Inferno der Weltkriege gefunden und darf nie wieder aus dem Giftschrank der Geschichte herausgeholt werden.
Die Zukunft gehört Europa der Brüderlichkeit, Europa der Freiheit, Europa des Fortschritts, dem echten vereinten Europa.
Europa der Vaterländer dagegen wird immer ein Platz in den Träumen einiger die Vorzüge der Welt der Monopole verkündender Politiker reserviert bleiben.
Der Rest von uns wird im Europa der Menschen leben.
A. D.
Ein Europa der Vaterländer, das ist ja eine Familie der Singles, ein Rudel der Einzelgänger-Wölfe. Wer glaubt, dass die europäische Vereinigung durch Stärkung der Abgrenzung einzelner Länder und Nationen erfolgen kann? Ganz bestimmt nicht die Vertreter des politischen Europa-der-Vaterländerismus. Diesen Menschen ist wohl am ehesten klar, was sie fordern, ihnen Unkenntnis der Geschichte zu unterstellen, wäre eine maßlose Unterschätzung des Gefahrenpotenzials dieser Richtung.
Die Europäer haben es nach einer sehr langen Zeit geschafft, sich zu vereinen, mit dem Bau eines gemeinsamen europäischen Hauses zu beginnen, und sind allen Schwierigkeiten zum Trotz ein gutes Stück vorangekommen. Den Europäern ist bewusst geworden, dass sie nur gemeinsam stark und frei sein können, dass die Schranken der Nationalstaaterei die weitere Entfaltung der europäischen Gesellschaft verhinderten.
Eine starke und freie Gemeinschaft aller Europäer ist vielen ein Dorn im Auge. Schon im Grundstudium der VWL lernt man, dass Monopole in großen Volkswirtschaften es viel schwierigen haben als in kleinen. Im politischen Leben gilt die ökonomische Maxime sogar noch viel stärker - keine einzige Partei aus einem Mitgliedsstaat hätte die Chance, innerhalb der ganzen Europäischen Union die gleiche Bedeutung zu gewinnen, wie dies im Heimatland der Fall ist.
Die Angst einiger Politiker vor Machtverlust aufgrund des Zusammenwachsens der europäischen Länder zu einem großen Ganzen ist nachvollziehbar. Deren Egoismus aber und die daraus resultierenden Bestrebungen, dieses Zusammenwachsen zu verlangsamen, zu stoppen oder gar umzukehren, können und dürfen nicht entschuldigt werden. Es darf kein Zweifel daran bestehen, dass die Rufe nach einem Europa der Vaterländer vor zweihundert Jahren die Form "Deutschland der Einzelstaaten" angenommen hätten. Den Politikern dieser Zeit gelang es auf Dauer nicht, die Kleinstaaterei in Deutschland gegen den Willen der Menschen aufrechtzuerhalten. Umso erstaunlicher ist es, wenn gerade in Deutschland einige Politiker aus der Geschichte nichts gelernt zu haben scheinen.
Europa der Vaterländer gehört ins 19. Jahrhundert. Dieses Europa hat sein blutiges Ende im Inferno der Weltkriege gefunden und darf nie wieder aus dem Giftschrank der Geschichte herausgeholt werden.
Die Zukunft gehört Europa der Brüderlichkeit, Europa der Freiheit, Europa des Fortschritts, dem echten vereinten Europa.
Europa der Vaterländer dagegen wird immer ein Platz in den Träumen einiger die Vorzüge der Welt der Monopole verkündender Politiker reserviert bleiben.
Der Rest von uns wird im Europa der Menschen leben.
A. D.
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Freitag, 6. November 2009
Schweinegrippe 1918 - 2009: Auftrag nicht erfüllt?
antoniy dimitrov, 15:32h
Im Zuge der in meinen Augen durch definitiv weder soziale noch medizinisch fundierte Argumente zu erklärenden Auseinandersetzung mit einer hochsensiblen Thematik wird in unseren Tagen die Hysterie um die schleierhafte, durch den als H1N1 identifizierten Erreger verursachte Erkrankung äußerst tüchtig vorangetrieben. Nun, schon die alten Römer wußten, daß man durch panem et circenses die Volksmassen gut zu beherrschen vermag. Selbstverständlich muß die Summe der beiden Komponenten in dieser Zauberformel konstant gehalten werden, damit die Rechnung aufgeht. Es dürfte also heutzutage niemanden verwundern, daß bei der Abnahme der Menge an pani (es tobt ja die Weltwirtschaftskrise) die Zahl und die Intensität der circensum erhöht werden müssen. Anfangs versprach der Zirkus um die "Neue Grippe" diesbezüglich spektakulär genug zu werden, obschon mittlerweile zu viele Menschen diese Vorstellung als relativ langweilig empfinden und sich doch mal überlegen, ob sie nicht vorsichtig fragen sollten, wohin denn das panis wohl verschwunden sein mag und ob man denn wirklich ohne panem nur aufgrund des Genusses von circensibus weiter glücklich sein kann.
Wie dem auch sei, bemüht sich die Presse um die Verbesserung des Unterhaltungswertes der "swine-flu-story" - unter anderem durch die Aufstellung eines apokalyptische Ängste auslösenden Vergleichs mit der "Spanischen Grippe" aus dem Jahre 1918. In diesem Zusammenhang ist die Unterstellung, es handle sich um einen sogut wie identischen Erreger, das Hauptargument, aus dem dann der Schluß gezogen wird, die durch diese beiden Viren ausgelösten Pandemien würden ähnlich verlaufen. Das Problem dabei scheinen die Massenmedien noch zu ignorieren: sollte diese These richtig sein, so müßte man die ganze Sache als Mega-Flopp ansehen und diese Thematik sofort durch einen anderen Abschreckungsgeist ersetzen! Der Grund dafür ist ganz einfach: 1918 starben an der Grippe vor allem abgeschwächte, vorerkrankte und von medizinischer Hilfeleistung ausgegrenzte Menschen - ganz ähnlich wie bei H1N1 (!), mit dem entscheidenden Unterschied, daß es derer damals als Folge des Ersten Weltkrieges noch wesentlich zahlreicher als heute gab. Dazu kommt auch die Tatsache, daß die Grippe an sich nicht zum Tode führt, sondern das Immunsystem so stark beansprucht, daß diesem keine Resourcen mehr für die Bekämpfung von Bakterien übrig bleiben. Durch die Bakterien verursachten Entzündungen töten dann den Erkrankten - dagegen kann man heute mit Antibiotika vorgehen, 1918 war das noch nicht möglich. Deswegen würden heute bei einer gleichverlaufenden Krankheit bedeutend weniger Menschen sterben.
Und schließlich könnte man ja auf die recht unangenehme Schlußfolgerung kommen, die Menschen sind damals vor allem mangels panis Opfer der Grippe geworden, nachdem sie mehr als genug der circensum durch den Krieg aufgezwungen bekamen.
Sollte man da wirklich auf die Ähnlichkeiten der beiden Jahre pochen, wenn man für nette, aber wirksame Ablenkung sorgen möchte?
Wie dem auch sei, bemüht sich die Presse um die Verbesserung des Unterhaltungswertes der "swine-flu-story" - unter anderem durch die Aufstellung eines apokalyptische Ängste auslösenden Vergleichs mit der "Spanischen Grippe" aus dem Jahre 1918. In diesem Zusammenhang ist die Unterstellung, es handle sich um einen sogut wie identischen Erreger, das Hauptargument, aus dem dann der Schluß gezogen wird, die durch diese beiden Viren ausgelösten Pandemien würden ähnlich verlaufen. Das Problem dabei scheinen die Massenmedien noch zu ignorieren: sollte diese These richtig sein, so müßte man die ganze Sache als Mega-Flopp ansehen und diese Thematik sofort durch einen anderen Abschreckungsgeist ersetzen! Der Grund dafür ist ganz einfach: 1918 starben an der Grippe vor allem abgeschwächte, vorerkrankte und von medizinischer Hilfeleistung ausgegrenzte Menschen - ganz ähnlich wie bei H1N1 (!), mit dem entscheidenden Unterschied, daß es derer damals als Folge des Ersten Weltkrieges noch wesentlich zahlreicher als heute gab. Dazu kommt auch die Tatsache, daß die Grippe an sich nicht zum Tode führt, sondern das Immunsystem so stark beansprucht, daß diesem keine Resourcen mehr für die Bekämpfung von Bakterien übrig bleiben. Durch die Bakterien verursachten Entzündungen töten dann den Erkrankten - dagegen kann man heute mit Antibiotika vorgehen, 1918 war das noch nicht möglich. Deswegen würden heute bei einer gleichverlaufenden Krankheit bedeutend weniger Menschen sterben.
Und schließlich könnte man ja auf die recht unangenehme Schlußfolgerung kommen, die Menschen sind damals vor allem mangels panis Opfer der Grippe geworden, nachdem sie mehr als genug der circensum durch den Krieg aufgezwungen bekamen.
Sollte man da wirklich auf die Ähnlichkeiten der beiden Jahre pochen, wenn man für nette, aber wirksame Ablenkung sorgen möchte?
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Sonntag, 22. März 2009
Reduktion unbetonter Nebensilbenvokale im Westen des Kontinents
antoniy dimitrov, 17:08h
| Hier möchte ich einen Aufsatz aus meinem Grundstudium vorlegen, den ich faszinierend finde. Es geht um die Vokalreduktion im Deutschen und in anderen Sprachen Westeuropas. Obschon einige "lacks of acribeia" unübersehbar sind, gebe ich zu bedenken, der Aufsatz ist keine wissenschaftliche Arbeit und hat nicht den Anspruch, eine zu sein, bringt aber die Idee zum Ausdruck, hinter der ich heute noch voll und ganz stehe: Die Vokalreduktion in den Westeuropäischen Sprachen (von Norwegisch über Englisch und Deutsch bis hin zum Französischen) ist kein Zufall! Davon abgesehen, bin ich der Meinung, es ist eine angenehme Lektüre! |
Und jetzt der Originaltext:
Die wohl bedeutendste sprachliche Neuerung, die den Übergang vom Althochdeutschen zum Mittelhochdeutschen kennzeichnet, ist die Abschwächung der volltonigen Vokale in unbetonten Nebensilben zu einem Schwa-Laut. Dies ereignete sich aufgrund der Festlegung des Ursprünglich beweglichen indogermanischen Akzents auf der Stammsilbe und hatte als Folge die weitgehende Vereinfachung der Paradigmata der Flexionsendungen. Betrachte man aber die Zeitspanne genauer, in der diese Veränderung vollzogen wurde, fällt einem die ungewöhnliche Schnelligkeit dieses Prozesses auf: im neunten Jahrhunderte hatte man die volltonigen Vokale und im zwölften waren sie schon restlos verschwunden. Dabei ist die Abschwächung nicht nur für das Deutsche typisch – ähnliche Erscheinungen findet man auch in den anderen indogermanischen Sprachen vor {z.B. in den ost- und südslawischen Sprachen wie im Bulgarischen (jedenfalls nur in bestimmten Mundarten) und in der russischen Standartsprache. Dort werden die unbetonten Vokale der vorderen Reihe(a,o,e) zu den jeweiligen Vokalen der hinteren Reihe(ǎ,u,i) teilweise oder voll reduziert (dieser Prozeß setzte schon im Mittelalter an)}, ohne aber eine Abschwächung zu einem Schwa-Laut als Folge zu haben. Nun darf man vermuten, daß es einen Beschleunigungsfaktor gegeben haben sollte, der im Deutschen diese Erscheinung mitbeeinflußt hat. Dieser könnte sowohl im System der deutschen Sprache enthalten sein als auch einer ganz anderen Natur sein {z.B. die Einflüsse der im deutschsprachigen Raume ansäßigen anderen Stämme und Völker, deren Sprachen als Substrat in das Althochdeutsche eingegangen sind}. Die letztere Annahme ist bestimmt reizvoll, aber eine dermaßen große Auswirkung ist fraglich, zumal es keine einzige Sprache gab, die im ganzen althochdeutschen Sprachraume verbreitet war, sondern mehrere einzelne Stammessprachen, von denen das Deutsche logischerweise nicht auf dieselbe Art, in der selben Richtung, beeinflußt worden ist.
Eine im System der Sprache enthaltene Erscheinung – die Unterscheidung zwischen langen und kurzen Vokalen – kann aber wohl für den schnellen Vollzug der Abschwächung wesentlich beigetragen haben. Wenn man also annimmt, daß es Reduktionsstufen gab – zunächst eine Kürzung der fraglichen Vokale und dann die Abschwächung der schon nur kurzen Vokale. Artikulatorisch sind die kurzen Vokale eben dem Schwa (das auch kurz ist) viel näher als die Langen, so daß der Übergang erleichtert, bzw. vereinfacht wird, wenn nur ein Artikulationsmerkmal betrifft (die Artikulationsstelle) und nicht gleich zwei (die Artikulationsstelle und die Länge). Ein Beweis hierfür wäre die Entwicklung der süd- und ostslawischen Sprachen, in denen die Abschwächung zu Schwa-Laut nicht erfolgte. In diesen Sprachen ist die Unterscheidung lang-kurz irrelevant, da eigentlich alle Vokale mittellang sind und eine Entwicklung der Vokale der Nebensilben in Richtung eines Schwa-Lautes gleichzeitige Veränderungen auf zwei ebenen voraussetzen würde, das aber normalerweise in der Sprachentwicklung eher selten vorkommt.
Des Weiteren kann man sogar vermuten, daß die neuhochdeutsche Dehnung eine Folge dieses Prozesses ist, da nun dadurch die Zahl (und der Prozentsatz) der kurzen Vokale zu groß geworden war und das System aus dem Gleichgewicht zu geraten schien. Kompensatorische Prozesse sind in der Sprache keine Seltenheit: sonst würde sich das sprachliche System weitgehend „vereinfachen“, bis es eines Tages binär (d.h. nur aus zwei Bestandteilen: Laut und „Unlaut“ bestehend) wird und dann völlig verschwindet, was aber, während die Leute eines solchen Kommunikationsmittels bedürftig sind, nicht passieren „darf“, weswegen sich das System selber zu erhalten versucht und auch vermag. Letzten Endes sind die volltonigen Vokale endgültig restlos nur aus den Flexionsmorphemen verschwunden: in allen anderen Fällen sind sie eigentlich erhalten geblieben. Daher wäre auch die Annahme sinnvoll, daß die Vereinfachung des Flexionssystems und die Abschwächung der volltonigen Vokale in einer Wechselbeziehung zueinander stehen und sich gegenseitig bewirkt haben, nicht aber, daß die Abschwächung die Vereinfachung verursacht hatte (in den romanischen Sprachen ist das Paradigma weitgehend vereinfachter als im Deutschen, ohne daß die Vokale abgeschwächt sind!). Ähnliches wird auch für die Festlegung des Akzents gelten können. Daher ist die Reduktion nur ein Teilprozeß und keiner, der für sich alleine steht und andere voraussetzt.
München, den 27.04.2002
Antoniy Dimitrov
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Mittwoch, 18. März 2009
Klimawandel schon früher geplant? Münchener Architekten der Zukunft! Es komme die Klimaerwärmung!
antoniy dimitrov, 01:54h
Heutzutage redet jeder von der Klimaerwärmung, doch vor fünfzig Jahren war das noch kein Thema, würde man meinen. Allerdings sind die Beweise, daß dem nicht so war, überall um uns herum zu sehen. Die Menschen, die schon früh von einer Klimaerwärmung ausgegangen haben müssen, sind die Architekten, der Werke in ganz Deutschland, oder zumindest in München massenhaft bestaunt werden dürfen. Die meisten Wohnungen in München sind so ausgerichtet, daß sie möglichst schattig und sonnengeschützt sind, bloß keine Südfenster, also etwa nach dem Prinzip, welches man um das Mittelmehr und ganz besonders südlich davon seit alters her erfolgreich anwendet, um eine Überhitzung zu vermeiden und um angenehmes Wohnklima zu erreichen. Was macht aber solch eine Bauweise im kalten München für einen Sinn? Offensichtlich, haben die Architekten die klimatischen Entwicklungen vorhergesehen und Gebäudepläne entwickelt, die den Wetter- und Lichtverhältnissen aus der Gegend südlich der ehemaligen Lepcis Magna in der Sahara bestens gerecht werden. Nun, die Annahme, in München könne man diese Temperaturen (etwa 20-30 Grad den jetzigen!) je erreichen, wird allerdings von vielen bezweifelt, ganz davon abgesehen, daß der Weg der Sonne am Himmel sich überhaupt nicht ändern wird, es sei denn die Erdachse ändert ihre Neigung, was aber auch die ganzen Bauten zum Sturz bringen dürfte. So wußten die Architekten in München schon früh, es kommen wärmere Zeiten. Um sicher zu gehen, haben sie auch gleichzeitig dafür gesorgt, daß es für die einfachen Münchener nichts Schlimmeres geben dürfte als das Nichteintreffen der Klimaerwärmung, besonders wenn in einigen Jahren die fossilen Brennstoffe ausgehen und die Heizung (fast) unbezahlbar wird. Eine nicht nach dem Süden ausgerichtete Wohnung zu heizen, verschlingt einiges mehr an Energie als dies bei gut sonnenbestrahlten der Fall ist. Das hat einen doppelten „positiven“ Effekt: mehr Treibhausgase und schnelleres Verbrauchen der Gas- und Ölvorkommen. Die Münchener müssen also hoffen, die extreme Klimaerwärmung läßt nicht allzu lange auf sich warten und darauf vertrauen, daß die Architekten echte Visionäre waren, oder zumindest gute Hintergrundinformation hatten, die sie dazu veranlassen konnten, schattige Wohnungen zu bauen, da es sich sonst nur um einen, wie ihn Adrados nennt, „lack of acribeia“ beim Studium elementarer Prinzipien der klimagerechten Architektur handeln würde.
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Sonntag, 15. März 2009
Konvergenz bei morphologischen und phonologischen Neuerungen?
antoniy dimitrov, 23:39h
Francisco Adrados behauptet in seinem Artikel „Must we again postulate a unitary and uniform Indo-European?” aus Indogermanischen Forschungen (112/2007), die wohl recht verbreitete Meinung über die morphologischen Neuerungen in den anatolischen indogermanischen Sprachen beinhalte „a curious imbalance […]: Hittite would be archaic in phonology but not in morphology“ (S. 14). Diese These soll seine Überzeugung untermauern, die relative Einfachheit der anatolische Morphologie sein archaischer als die der restlichen indogermanischen Sprachzweige. Die implizit von ihm vorausgesetzte These, es bestünde eine Art Konvergenz zwischen phonologischem und morphologischem Konservatismus einer Sprache, ist jedoch nicht ganz plausibel. Es lassen sich zwar mehrere Beispiele finden, die diese These unterstützen, allerdings sind die Gegenbeispiele mindestens genauso zahlreich. So sind im Deutschen mehr Unterschiede zum Germanischen im Bereich der Mediae und der Plosive als dies im Englischen der Fall ist. Gleichzeitig ist das Verhältnis im flexionsmorphologischen Bereich genau umgekehrt. Diese Divergenz ist natürlich nicht sprachintern sondern durch Sprachkontakteinflüsse auf das Englische zu erklären. Allerdings liefert das Deutsche etwa durch die Grammatikalisierung des Umlauts auch Argumente für Adrados’ Annahme, einiges an Flexionsmorphologie, „was created later in a second phase“ (S.8). So ist auch denkbar, daß ein Teil der morphologischen Neuerungen des „außeranatolischen“ Zweiges archaisch, ein anderer aber neu ist.
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Dienstag, 10. Juni 2008
Das Imperium schlägt zurück oder wie der Totalitarismus dividere et imperare will...
antoniy dimitrov, 17:04h
Heute ließ das dafür zuständige bulgarische Amt die Bombe platzen, 30 Intelektuelle wurden in den Mitarbeiterlisten des kommunistischen Geheimdienstes geführt. Was sie genau gemacht haben, ist natürlich nicht bekannt gegeben. Ob sie einmal zu einem Gespräch vorgeladen wurden, oder ob sie irgendeine Auskunft gegeben hatten, ob sie das freiwillig oder gezwungenermaßen (unter Androhung von Repressionen) taten, darüber möchte sich die Kommission nicht äußern. Warum auch dazu äußern? Schließlich wird diese Kommission von Menschen geführt, die dort durch ihre Verbindungen mit den regierenden Ex-Kommunisten kamen und zufällig sind die fraglichen 30 vorwiegend liberal gesinnte Menschen... So macht es auch Sinn, die öffentliche Meinung gegen sie zu stimmen, sie den durch die jede erdenkliche Form von Korruption tolerierende Regierung niedergehaltenen und mittlerweile schon enttäuschten Massen zum Fraß vorzuwerfen, damit die Aufmerksamkeit beispielsweise von der heutigen 16%igen Erhöhung der Strompreise durch E.ON-Bulgarien, den Meldungen über unzählige Strafverfahren gegen Bulgarien in Straßburg, dem Versagen der Wasserversorgung in weiten Teilen Varnas etc. abgelenkt wird... Regimegegner mal in den Listen aufzuführen, um sie dann mal später doch besser in Griff halten zu können, das war den Herrschern über Bulgarien in der Zeit des Totalitarismus nicht fremd... Divide et impera: wie es funktioniert, wußten sie damals schon und heute natürlich immer noch!
Die Kommentare im Internet zu diesem Thema zeigen aber ein anderes Bild... viele Menschen glauben solchen billigen Propaganda-Tricks der Kommunisten nicht mehr. Ganz besonders schön fand ich (und viele andere Leser, was aus deren Kommentare auf derselben Seite eindeutig hervorgeht) einen anonymen Kommentar auf der Seite der liberalen Tageszeitung Dnevnik , den ich hier dem deutschsprachigen Lesepublikum in meiner Übersetzung anbieten möchte. Kommentare dieser Art zeigen, daß selbst unter den gegebenen Umständen, nicht alles Wertvolle in Bulgarien verlorengegangen ist. Ich bedanke mich dem mir unbekannten Autor für die schönen Zeilen. Es sei dazu vermerkt, daß die wichtigste der 30 Personen die durch ihre regimekritischen Romane bekannte Frau Prof. Dr. Vera Moutafchiva ist, die Tochter des in der Stalinzeit als „Faschisten“ abgelehnten großen bulgarischen Byzantinologen Prof. Dr. Petar Moutafchiev, dessen Werke zwischen 1944 und 1990 unter Publikationsverbot standen. Ein Kompromat gegen so eine herausragende und prominente Persönlichkeit zieht natürlich das Interesse auf sich und ist zu Ablenkungszwecken geradezu prädestiniert… der Effekt ist erzielt worden: die öffentlcihe Diskussion gravitiert jetzt um dieses Thema, die Mißerfolge der Regierung scheine vorerst in den Hintergrund getreten zu sein…
Aus: http://www.dnevnik.bg/show/index.php?storyid=511967&p=0®ime=2#comments
Kommentar N° 86
Nummer 76, Vera Moutafchieva ist eine Frau, die intelligent genug ist, um nicht in den SozialismEs und KommunismEs [Anspielung auf den Bildungsgrad der Anhänger des Regimes, denen -ismus-Wörter Ausspracheschwierigkeiten bereiteten, vgl. im Deutschen "Herr DoktEr" - Anm. A.D.] zu glauben. Nur ein sehr dummer Mensch - der sog. ehrliche Kommunist [Ein terminus technicus in Bulgarien, mit dem nicht die echten Kommunisten, sondern die "Parteitreuen"- meist ungebildete Menschen, die das Wort Kommunismus zwar in den Mund nehmen, seine Bedeutung aber nicht einmal zu verstehen versuchen. - Anm. A.D.] - kann an die kommunistische Zukunft glauben.
Offensichtlich hat Vera M. einen Kompromiß gemacht. Zu jener Zeit gab es drei Arten von Menschen:
1. Offenkundige rote Ungeheuer, die ihren Spaß an der totalitären Maschinerie hatten, beispielsweise weil sie genetische Talentlosigkeiten sind und in einer nicht-totalitären Umgebung höchstens Operatoren von Besen oder von biologischen Einheiten [sozialistische Bezeichnungen für Putzkräfte und Bauerngehilfen -Anm. A.D.] wären, oder weil sie es wirklich mögen, andere Menschen niederzudrücken und der Totalitarismus ihnen eine herrliche Möglichkeit anbietet, ihren Idiotismus offen auszuleben.
2. Schafe, die einfach mit der Strömung schwimmen - wenn die Konjunktur es verlangt, Komsomolzen zu sein, dann werden die Komsomolzen sein, wenn die Konjunktur es verlangt, mit dem Geheimdienst mitzuarbeiten, dann werden sie mit dem Geheimdienst mitarbeiten, aber sie sind weder ideologisch fundiert, noch mögen sie es, Schlechtes zu tun, sie wollen einfach leicht leben können, ohne nachdenken zu müssen. Das ist die zahlreichste Gruppe - die der "Surviver". Aus der bähenden Herde der Schafe kommen diejenigen Forumteilnehmer [Gemeint ist das Forum der Zeitung Dnevnik - Anm. A.D.], die ganz ehrlich fragen, was es daran so schlimm war, ein Bulle [ordentlicher Mitarbeiter, nicht Informant -Anm. A.D.] der Staatssicherheit gewesen zu sein.
3. Intelligente und ordentliche Menschen, die jedoch leben wollen. Sie machten die minimal möglichen Kompromisse mit den roten Ungeheuern, damit sie lernen durften, damit sie einen intellektuellen Beruf ausüben durften, damit sie eventuell 1-2 Mal den kommunistischen Block verlassen und die echte Welt sehen durften.
Ich wollte, ich könnte sagen, daß es auch eine vierte Gruppe gab, die der kompromißlosen Antikommunisten, die sich nicht verbeugen ließen - aber so eine gab es nicht. Der weitaus größte Teil der Menschen mit genug Rückgrat, damit sie sich nicht vor den roten Liliputaner verbiegen, wurde physisch um das erste Jahrzehnt des Totalitarismus herum vernichtet. Nun ja, einige wenige blieben übrig, sie wurden per Zufall doch nicht erschossen UND überlebten dann die Konzetrationslager (Ilia Minev, beispielsweise), aber das ist eine statistisch vernachlässigbare Menge.
Und so. Ein trauriges Bild ...
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Antoniy Dimitrov, Originaltext follgt im Anschluß.
Und trotzdem: solange es Menschen gibt, die bereit sind, zu denken und zu fühlen, solange es Menschen wie diesen unbekannten Autor gibt, ist das Bild doch nicht so traurig! In diesem Zusammenhang ist auch der Kommentar 133 (auch Replik auf die Nr. 86) auf derselben Seite zu erwähnen, in dem auf die Emigranten, die viel riskierten und gegen die Propaganda des Regimes stets immun blieben, als Vertreter der vierten Gruppe hingewiesen wird, die ihren Ruckgrat doch beibehielten und ständig ein Dorn im Auge der Anhänger des Totalitarismus waren und immer noch sind.
Ich hoffe wirklich, daß die Menschen in Bulgarien diesmal doch nicht Opfer und Täter verwechseln und statt die Intellektuellen zu tadeln, einfach der häßlichen Geschichte ein Ende setzen, indem sie einfach aufhören die Täter von damals in die Regierung zu wählen.
Versöhnung, Vergebung und ehrliches Miteinander des Volkes und seiner intellektuellen Elite: das wäre das Ende eines dunklen Kapitels in der bulgarischen Geschichte und der Auftakt einer neuen, offeneren Gesellschaftsordnung, die sich alle liberal denkende Menschen ersehnen!
Antoniy Dimitrov
Originaltext:
Номер 76, Вера Мутафчиева е достатъчно интелигентна, за да не вярва в социализЪма и комунизЪма. Само много глупав човек - т.нар. честен комунист - може да вярва в комунистическото бъдеще.
Явно Вера М. е направила компромис. По онова време хората бяха 3 вида:
1. откровени червени изроди, които се кефеха на тоталитарната машина, примерно защото са генетични бездарници и в нетоталитарна среда биха били най-много оператори на метли или на биологични единици, или защото наистина обичат да мачкат хора и тоталитаризмът им дава чудесна възможност да си проявяват изродщината неприкрито;
2. овце, които просто вървят по течението - ако конюнктурата иска да са комсомолци ще са комсомолци, ако конюнктурата иска да доносничат ще доносничат, но не са нито надъхани идеологически, нито обичат да правят гадно, просто искат да живеят леко, без да се замислят. Това е най-многобройната група на сървайвърите. От блеещото стадо на овцете са тези форумни участници, които искрено питат какво толкова лошо е имало в това да си ченге от ДС.
3. интелигентни и читави хора, на които все пак им се живее. Те правеха минималните възможни компромиси с червените изроди, за да може да учат, да имат някаква интелектуална професия, евентуално 1-2 пъти да могат да излязат от комунистическия лагер и да видят истинския свят.
Ще ми се да кажа, че е имало и четвърта група, тази на безкомпромисните антикомунисти, които не се огънаха - но такава нямаше. Огромната част от хората с достатъчно гръбнак, за да не се огънат пред червените лилипути, са били унищожени физически в първите десетина години от тоталитаризма. Е, останали са малцина, не-разстреляни по случайност И преживели концентрационните лагери (Илия Минев, примерно), но това е статистически пренебрежимо множество.
Та така. Тъжна картинка...
Die Kommentare im Internet zu diesem Thema zeigen aber ein anderes Bild... viele Menschen glauben solchen billigen Propaganda-Tricks der Kommunisten nicht mehr. Ganz besonders schön fand ich (und viele andere Leser, was aus deren Kommentare auf derselben Seite eindeutig hervorgeht) einen anonymen Kommentar auf der Seite der liberalen Tageszeitung Dnevnik , den ich hier dem deutschsprachigen Lesepublikum in meiner Übersetzung anbieten möchte. Kommentare dieser Art zeigen, daß selbst unter den gegebenen Umständen, nicht alles Wertvolle in Bulgarien verlorengegangen ist. Ich bedanke mich dem mir unbekannten Autor für die schönen Zeilen. Es sei dazu vermerkt, daß die wichtigste der 30 Personen die durch ihre regimekritischen Romane bekannte Frau Prof. Dr. Vera Moutafchiva ist, die Tochter des in der Stalinzeit als „Faschisten“ abgelehnten großen bulgarischen Byzantinologen Prof. Dr. Petar Moutafchiev, dessen Werke zwischen 1944 und 1990 unter Publikationsverbot standen. Ein Kompromat gegen so eine herausragende und prominente Persönlichkeit zieht natürlich das Interesse auf sich und ist zu Ablenkungszwecken geradezu prädestiniert… der Effekt ist erzielt worden: die öffentlcihe Diskussion gravitiert jetzt um dieses Thema, die Mißerfolge der Regierung scheine vorerst in den Hintergrund getreten zu sein…
Aus: http://www.dnevnik.bg/show/index.php?storyid=511967&p=0®ime=2#comments
Kommentar N° 86
Nummer 76, Vera Moutafchieva ist eine Frau, die intelligent genug ist, um nicht in den SozialismEs und KommunismEs [Anspielung auf den Bildungsgrad der Anhänger des Regimes, denen -ismus-Wörter Ausspracheschwierigkeiten bereiteten, vgl. im Deutschen "Herr DoktEr" - Anm. A.D.] zu glauben. Nur ein sehr dummer Mensch - der sog. ehrliche Kommunist [Ein terminus technicus in Bulgarien, mit dem nicht die echten Kommunisten, sondern die "Parteitreuen"- meist ungebildete Menschen, die das Wort Kommunismus zwar in den Mund nehmen, seine Bedeutung aber nicht einmal zu verstehen versuchen. - Anm. A.D.] - kann an die kommunistische Zukunft glauben.
Offensichtlich hat Vera M. einen Kompromiß gemacht. Zu jener Zeit gab es drei Arten von Menschen:
1. Offenkundige rote Ungeheuer, die ihren Spaß an der totalitären Maschinerie hatten, beispielsweise weil sie genetische Talentlosigkeiten sind und in einer nicht-totalitären Umgebung höchstens Operatoren von Besen oder von biologischen Einheiten [sozialistische Bezeichnungen für Putzkräfte und Bauerngehilfen -Anm. A.D.] wären, oder weil sie es wirklich mögen, andere Menschen niederzudrücken und der Totalitarismus ihnen eine herrliche Möglichkeit anbietet, ihren Idiotismus offen auszuleben.
2. Schafe, die einfach mit der Strömung schwimmen - wenn die Konjunktur es verlangt, Komsomolzen zu sein, dann werden die Komsomolzen sein, wenn die Konjunktur es verlangt, mit dem Geheimdienst mitzuarbeiten, dann werden sie mit dem Geheimdienst mitarbeiten, aber sie sind weder ideologisch fundiert, noch mögen sie es, Schlechtes zu tun, sie wollen einfach leicht leben können, ohne nachdenken zu müssen. Das ist die zahlreichste Gruppe - die der "Surviver". Aus der bähenden Herde der Schafe kommen diejenigen Forumteilnehmer [Gemeint ist das Forum der Zeitung Dnevnik - Anm. A.D.], die ganz ehrlich fragen, was es daran so schlimm war, ein Bulle [ordentlicher Mitarbeiter, nicht Informant -Anm. A.D.] der Staatssicherheit gewesen zu sein.
3. Intelligente und ordentliche Menschen, die jedoch leben wollen. Sie machten die minimal möglichen Kompromisse mit den roten Ungeheuern, damit sie lernen durften, damit sie einen intellektuellen Beruf ausüben durften, damit sie eventuell 1-2 Mal den kommunistischen Block verlassen und die echte Welt sehen durften.
Ich wollte, ich könnte sagen, daß es auch eine vierte Gruppe gab, die der kompromißlosen Antikommunisten, die sich nicht verbeugen ließen - aber so eine gab es nicht. Der weitaus größte Teil der Menschen mit genug Rückgrat, damit sie sich nicht vor den roten Liliputaner verbiegen, wurde physisch um das erste Jahrzehnt des Totalitarismus herum vernichtet. Nun ja, einige wenige blieben übrig, sie wurden per Zufall doch nicht erschossen UND überlebten dann die Konzetrationslager (Ilia Minev, beispielsweise), aber das ist eine statistisch vernachlässigbare Menge.
Und so. Ein trauriges Bild ...
Übersetzung aus dem Bulgarischen: Antoniy Dimitrov, Originaltext follgt im Anschluß.
Und trotzdem: solange es Menschen gibt, die bereit sind, zu denken und zu fühlen, solange es Menschen wie diesen unbekannten Autor gibt, ist das Bild doch nicht so traurig! In diesem Zusammenhang ist auch der Kommentar 133 (auch Replik auf die Nr. 86) auf derselben Seite zu erwähnen, in dem auf die Emigranten, die viel riskierten und gegen die Propaganda des Regimes stets immun blieben, als Vertreter der vierten Gruppe hingewiesen wird, die ihren Ruckgrat doch beibehielten und ständig ein Dorn im Auge der Anhänger des Totalitarismus waren und immer noch sind.
Ich hoffe wirklich, daß die Menschen in Bulgarien diesmal doch nicht Opfer und Täter verwechseln und statt die Intellektuellen zu tadeln, einfach der häßlichen Geschichte ein Ende setzen, indem sie einfach aufhören die Täter von damals in die Regierung zu wählen.
Versöhnung, Vergebung und ehrliches Miteinander des Volkes und seiner intellektuellen Elite: das wäre das Ende eines dunklen Kapitels in der bulgarischen Geschichte und der Auftakt einer neuen, offeneren Gesellschaftsordnung, die sich alle liberal denkende Menschen ersehnen!
Antoniy Dimitrov
Originaltext:
Номер 76, Вера Мутафчиева е достатъчно интелигентна, за да не вярва в социализЪма и комунизЪма. Само много глупав човек - т.нар. честен комунист - може да вярва в комунистическото бъдеще.
Явно Вера М. е направила компромис. По онова време хората бяха 3 вида:
1. откровени червени изроди, които се кефеха на тоталитарната машина, примерно защото са генетични бездарници и в нетоталитарна среда биха били най-много оператори на метли или на биологични единици, или защото наистина обичат да мачкат хора и тоталитаризмът им дава чудесна възможност да си проявяват изродщината неприкрито;
2. овце, които просто вървят по течението - ако конюнктурата иска да са комсомолци ще са комсомолци, ако конюнктурата иска да доносничат ще доносничат, но не са нито надъхани идеологически, нито обичат да правят гадно, просто искат да живеят леко, без да се замислят. Това е най-многобройната група на сървайвърите. От блеещото стадо на овцете са тези форумни участници, които искрено питат какво толкова лошо е имало в това да си ченге от ДС.
3. интелигентни и читави хора, на които все пак им се живее. Те правеха минималните възможни компромиси с червените изроди, за да може да учат, да имат някаква интелектуална професия, евентуално 1-2 пъти да могат да излязат от комунистическия лагер и да видят истинския свят.
Ще ми се да кажа, че е имало и четвърта група, тази на безкомпромисните антикомунисти, които не се огънаха - но такава нямаше. Огромната част от хората с достатъчно гръбнак, за да не се огънат пред червените лилипути, са били унищожени физически в първите десетина години от тоталитаризма. Е, останали са малцина, не-разстреляни по случайност И преживели концентрационните лагери (Илия Минев, примерно), но това е статистически пренебрежимо множество.
Та така. Тъжна картинка...
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Montag, 2. Juni 2008
Aspekt im Deutschen: Effizienz vs. Effektivität - Aspektrelevanz im deutschen Wortschatz
antoniy dimitrov, 17:24h
Bekanntlich ist die Frage, ob für das heutige Deutsch (genauer gesagt: die Dialekten des Deutschen, ausgenommen die Standardsprache) die grammatische Kategorie des Aspekts relevant ist oder nicht, mehr oder weniger heiß umstritten. Dabei steht bei diesen Überlegungen das Verb – das liegt daran, daß die Indogermanisten und die Linguisten überhaupt Aspekt sehr oft erstmals in Verbindung mit dem Griechischen und dem Slawischen kennenlernen – im Vordergrund. So bilden viele Wissenschaftler eine nicht ausgesprochene Erwartung, Aspekt könne eine prototypische Eigenschaft des Verbs sein. Ich persönlich vertrete die Meinung, Aspektualität ist ein sprachliches Merkmal, welches auf der syntaktischen Ebene anzusiedeln ist, ein Charakteristikum also, das man als „präverbal“ bezeichnen könnte. Eine präverbale Eigenschaft kann sich auf verschiedene Wege (morphologisch, lexikalisch, syntaktisch etc.) manifestieren, ist aber wortartindifferent, gehört somit zum Komplex der Segmentierung der Wirklichkeit und nicht zum System der Modulierung sprachlicher Aussagen.
Das Verb der neuhochdeutschen Standardsprache weist die morphologische bzw. die syntaktische Kategorie Aspekt nicht auf. Perfektivität, Imperfektivität, Iterativität etc. scheinen für die deutsche Syntax eine untergeordnete Rolle zu spielen und können nur durch lexikalische Zusatzmittel wie etwa Adverbien im Satz zum Ausdruck gebracht werden [vgl.: (1)„Ich arbeite.“ vs. (2)„Ich arbeite gerade.“ vs. (3)„Ich arbeite täglich/jeden Tag“ etc.]. Allerdings ist anzunehmen, daß für den deutschen Muttersprachler die Aussagen der Sätze 1-3 sich sicher eher „modal“ als „aspektual“ unterscheiden. Einen gewissen Grad an Aspektualität weist die (eher süddeutsche) Unterscheidung zwischen (4) „Ich arbeite bei Siemens.“ [ich bin dort angestellt] und (5) „Heute bin ich bei Siemens am Arbeiten.“ [aber morgen woanders, ich bin nicht bei Siemens, sondern etwa bei einem Fensterreinigungsdienst angestellt]. Die Unterscheidung progressiv vs. nicht-progressiv (imperfektiv?) ist selbstverständlich nicht mit der klassischen perfektiv-imperfektiv Dichotomie gleichzusetzen, aber es ist für ein Aspektsystem nicht zwingend notwendig, genau diese zwei Aspekte zu unterscheiden. Es läßt sich also sagen, daß einige der modernen deutschen Dialekte eine nicht-klassische Aspektunterscheidung zulassen, während die Standardsprache in bezug auf den Aspekt einer Handlung morphosyntaktisch völlig indifferent ist.
Angenommen, eine präverbale Aspektunterscheidung manifestiert sich am stärksten im Bereich des Verbs (aufgrund etwa der Affinität zwischen Aspektualität und Handlung, Vorgang, Zustand), so sollte eine Sprache ohne Verbaspekt auch keine Aspektunterschiede im nominalen Bereich zulassen. Ein besonders schönes Beispiel findet man in der Anwendung der lateinischen Lehnbegriffe „effizient“ und „effektiv“ im modernen deutschen Sprachgebrauch. Beide Wörter gehen auf lat. efficere ‚bewirken’(aus ex- u. facere), so sind die „Adjektive aus dem Grundwort (effizient) und dem PPP“ [Friedrich Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Aufl.: bearb. v. Elmar Seebold. Walter de Gruyter: Berlin 2002, s. v. „Effekt“, S. 227] entlehnt. Standardsprachlich wird die Bedeutung beider Wörter sehr streng unterschieden: „effektiv“ bedeutet soviel wie „ergebnisbringend“, während „effizient“ die Bedeutung „aufwandarm Ergebnisse erzielend“ hat. Somit ist ‚effektiv’ ein perfektiver, auf das Ergebnis fokussierter Begriff, bei dem die Art der Ausführung der Handlung keine Rolle spielt, während ‚effizient’ ein imperfektiver Begriff ist, bei dem allein das Verhältnis zwischen Aufwand und dadurch Erreichtem wichtig ist, ohne daß das Resultat an sich wahrgenommen wird (man kann schließlich effizient arbeiten, ohne ein Endergebnis zu erzielen, aber auch ein Ergebnis durch ineffiziente Arbeit erreichen etc.). Diese prototypische Aspektunterschiedung scheint vielen deutschen Muttersprachlern völlig fremd zu sein: aus diesem Grunde wird oft sogar von Akademikern, Nachrichtensprechern und Moderatoren zwischen den beiden Begriffen nicht unterschieden. Genau genommen bedeuten beide Wörter dasselbe, ihr einziger Unterschied liegt im Aspekt der gemachten Aussage! Diese Behauptung mag zunächst befremdlich erscheinen, da es sich um zwei „Lexeme“, um zwei Wörterbucheinträge, handelt, man soll aber bedenken, daß die Aspektpaare der russischen Verben auch jeweils zwei unterschiedliche Wörterbucheinträge aufweisen, trotzdem aber keinen Bedeutungsunterschied im eigentlichen Sinne haben (weswegen beispielsweise deutsche Muttersprachler den Umgang mit dem Aspekt als besonders schwierig empfinden). [Mir als Sprecher einer Aspektsprache, nämlich des Bulgarischen, in welchem die drei Aspekte perfektiv, imperfektiv und iterativ (in der bulg. Grammatik „sekundär-imperfektiv“ genannt) unterschieden werden, war es zunächst unbegreiflich, wieso auch gebildete Deutsche ‚effektiv’ und ‚effizient’ (und deren Ableitungen wie „Effizienz“, „ineffektiv“ etc.) oft abweichen von der Norm verwenden, während ich als Nicht-Muttersprachler beide Begriffe auf Anhieb problemlos auseinanderhalten konnte.] Die naheliegende Erklärung dieses Phänomens wäre die Annahme, daß die Standardvariante des Deutschen keine Aspektunterschiedung kennt: sowohl im nominalen als auch im verbalen Bereich und die deutschen Dialekte zwar den Ansatz einer Aspektualität aufweisen, jedoch den Unterschied perfektiv-imperfektiv nicht kennen. Somit würde keine Variante des Deutschen einen Anhaltspunkt für die richtige (wohlgemerkt: unbewußte!) Verwendung eines „importierten“ Aspektpaares liefern.
Anschließend läßt sich festhalten, daß die Unterscheidung zwischen Perfektivität und Imperfektivität einer Handlung dem Deutschen fremd zu sein scheint, was sich auch anhand des Umganges der Deutschsprachigen mit entlehnten Aspektpaaren illustrieren läßt. Eine sehr interessante Frage bleibt dabei offen: „Wie würden sich die Sprecher des Deutschen in bezug auf ein lexikalisches Aspektpaar mit dem Merkmal progrssiv-nichtprogressiv verhalten?“ Löst man sich von der Überzeugung, Aspekt sollte immer etwas mit Perfektivität bzw. Imperfektivität zu tun haben, so könnten vielleicht spannende Entdeckungen auf diesem Gebiet gemacht werden.
Antoniy Dimitrov
Das Verb der neuhochdeutschen Standardsprache weist die morphologische bzw. die syntaktische Kategorie Aspekt nicht auf. Perfektivität, Imperfektivität, Iterativität etc. scheinen für die deutsche Syntax eine untergeordnete Rolle zu spielen und können nur durch lexikalische Zusatzmittel wie etwa Adverbien im Satz zum Ausdruck gebracht werden [vgl.: (1)„Ich arbeite.“ vs. (2)„Ich arbeite gerade.“ vs. (3)„Ich arbeite täglich/jeden Tag“ etc.]. Allerdings ist anzunehmen, daß für den deutschen Muttersprachler die Aussagen der Sätze 1-3 sich sicher eher „modal“ als „aspektual“ unterscheiden. Einen gewissen Grad an Aspektualität weist die (eher süddeutsche) Unterscheidung zwischen (4) „Ich arbeite bei Siemens.“ [ich bin dort angestellt] und (5) „Heute bin ich bei Siemens am Arbeiten.“ [aber morgen woanders, ich bin nicht bei Siemens, sondern etwa bei einem Fensterreinigungsdienst angestellt]. Die Unterscheidung progressiv vs. nicht-progressiv (imperfektiv?) ist selbstverständlich nicht mit der klassischen perfektiv-imperfektiv Dichotomie gleichzusetzen, aber es ist für ein Aspektsystem nicht zwingend notwendig, genau diese zwei Aspekte zu unterscheiden. Es läßt sich also sagen, daß einige der modernen deutschen Dialekte eine nicht-klassische Aspektunterscheidung zulassen, während die Standardsprache in bezug auf den Aspekt einer Handlung morphosyntaktisch völlig indifferent ist.
Angenommen, eine präverbale Aspektunterscheidung manifestiert sich am stärksten im Bereich des Verbs (aufgrund etwa der Affinität zwischen Aspektualität und Handlung, Vorgang, Zustand), so sollte eine Sprache ohne Verbaspekt auch keine Aspektunterschiede im nominalen Bereich zulassen. Ein besonders schönes Beispiel findet man in der Anwendung der lateinischen Lehnbegriffe „effizient“ und „effektiv“ im modernen deutschen Sprachgebrauch. Beide Wörter gehen auf lat. efficere ‚bewirken’(aus ex- u. facere), so sind die „Adjektive aus dem Grundwort (effizient) und dem PPP“ [Friedrich Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Aufl.: bearb. v. Elmar Seebold. Walter de Gruyter: Berlin 2002, s. v. „Effekt“, S. 227] entlehnt. Standardsprachlich wird die Bedeutung beider Wörter sehr streng unterschieden: „effektiv“ bedeutet soviel wie „ergebnisbringend“, während „effizient“ die Bedeutung „aufwandarm Ergebnisse erzielend“ hat. Somit ist ‚effektiv’ ein perfektiver, auf das Ergebnis fokussierter Begriff, bei dem die Art der Ausführung der Handlung keine Rolle spielt, während ‚effizient’ ein imperfektiver Begriff ist, bei dem allein das Verhältnis zwischen Aufwand und dadurch Erreichtem wichtig ist, ohne daß das Resultat an sich wahrgenommen wird (man kann schließlich effizient arbeiten, ohne ein Endergebnis zu erzielen, aber auch ein Ergebnis durch ineffiziente Arbeit erreichen etc.). Diese prototypische Aspektunterschiedung scheint vielen deutschen Muttersprachlern völlig fremd zu sein: aus diesem Grunde wird oft sogar von Akademikern, Nachrichtensprechern und Moderatoren zwischen den beiden Begriffen nicht unterschieden. Genau genommen bedeuten beide Wörter dasselbe, ihr einziger Unterschied liegt im Aspekt der gemachten Aussage! Diese Behauptung mag zunächst befremdlich erscheinen, da es sich um zwei „Lexeme“, um zwei Wörterbucheinträge, handelt, man soll aber bedenken, daß die Aspektpaare der russischen Verben auch jeweils zwei unterschiedliche Wörterbucheinträge aufweisen, trotzdem aber keinen Bedeutungsunterschied im eigentlichen Sinne haben (weswegen beispielsweise deutsche Muttersprachler den Umgang mit dem Aspekt als besonders schwierig empfinden). [Mir als Sprecher einer Aspektsprache, nämlich des Bulgarischen, in welchem die drei Aspekte perfektiv, imperfektiv und iterativ (in der bulg. Grammatik „sekundär-imperfektiv“ genannt) unterschieden werden, war es zunächst unbegreiflich, wieso auch gebildete Deutsche ‚effektiv’ und ‚effizient’ (und deren Ableitungen wie „Effizienz“, „ineffektiv“ etc.) oft abweichen von der Norm verwenden, während ich als Nicht-Muttersprachler beide Begriffe auf Anhieb problemlos auseinanderhalten konnte.] Die naheliegende Erklärung dieses Phänomens wäre die Annahme, daß die Standardvariante des Deutschen keine Aspektunterschiedung kennt: sowohl im nominalen als auch im verbalen Bereich und die deutschen Dialekte zwar den Ansatz einer Aspektualität aufweisen, jedoch den Unterschied perfektiv-imperfektiv nicht kennen. Somit würde keine Variante des Deutschen einen Anhaltspunkt für die richtige (wohlgemerkt: unbewußte!) Verwendung eines „importierten“ Aspektpaares liefern.
Anschließend läßt sich festhalten, daß die Unterscheidung zwischen Perfektivität und Imperfektivität einer Handlung dem Deutschen fremd zu sein scheint, was sich auch anhand des Umganges der Deutschsprachigen mit entlehnten Aspektpaaren illustrieren läßt. Eine sehr interessante Frage bleibt dabei offen: „Wie würden sich die Sprecher des Deutschen in bezug auf ein lexikalisches Aspektpaar mit dem Merkmal progrssiv-nichtprogressiv verhalten?“ Löst man sich von der Überzeugung, Aspekt sollte immer etwas mit Perfektivität bzw. Imperfektivität zu tun haben, so könnten vielleicht spannende Entdeckungen auf diesem Gebiet gemacht werden.
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